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Stein vom Herzen

Chopard brilliert schon wieder: Jetzt wird das Preziosendesign in meisterhafter Verarbeitung mit höchstem Augenmerk auf Nachhaltigkeit kombiniert.

Portrait

Treten Sie ein in eine andere Welt. Hinter den Türen des schlichten Manufakturbaus in Meyrin, einem Vorort von Genf, eröffnet sich ein eigenes Universum: die heil’gen Hallen Chopards hoher Uhrmacher- und Juwelierskunst. An den Wänden der Gänge Plakate mit Sujets der 70er-Jahre – James Bond trifft auf «Happy Diamonds» und das vornehme Ticken einer Standuhr aus dem Familienbesitz. In der hellen Kantine des Hauses tagt schon mal der Familienrat Scheufele beim Mittagessen, um die Geschicke seiner Firma zu lenken. 1963 erstand Karl Scheufele III., Uhren- und Juwelenspezialist aus Pforzheim, die Uhrenmarke Chopard aus Genf – eine Synergie, die dank der Designklassiker «Happy Diamonds», der Uhrenkollektion «L.U.C» oder erlesener Preziosen der Haute Joaillerie für kometenhaften Aufstieg sorgte.

Tanz der Steine

Hinauf in den ersten Stock. In Meyrin, dem Hauptsitz des Unternehmens, hat DIE Kultkollektion schlechthin das Licht der Welt erblickt: «Happy Diamonds». Sie verhalf dem Haus Chopard zu neuem Aufschwung in der Welt der Preziosen. Zum Jubiläum 40 Jahre später ist sie noch immer ein Bestseller. 1976 liess sich Chefdesigner Ronald Kurowski von den in allen Regenbogenfarben schillernden Tropfen eines Wasserfalls zur ersten Herrenuhr inspirieren. Die Geburtsstunde eines genialen Patents, Diamanten frei und glücklich im Zwischenraum zweier Deckel aus Saphirglas wirbeln zu lassen – die «Happy Diamonds». Allein 10’000 Stück wurden im ersten Jahr der Produktion verkauft und brachten Chopard den Oscar der Juwelierskunst ein, die «Goldene Rose» von Baden-Baden. 1985 folgte die Schmucklinie von Caroline Scheufele, Co-Präsidentin, Designerin und Gemmologin. «Happy Diamonds ist jetzt schon über drei Generationen unsere DNA, gerade weil das Design zeitlos klassisch, nicht zu kompliziert, aber ‹with a little twist› ist.» Den Dreh raus haben auch die «Happy Ladies», wie sie in der Genfer Manufaktur genannt werden. Mit ruhiger Hand und grosser Sorgfalt hinter dem Mikroskop verschanzt, werden die «tanzenden» Diamanten für einen Ohrring zwischen die Saphirgläser gelegt. Die mustergültige Abfolge einander ergänzender Arbeitsschritte setzt höchste Konzentration und technisches Know-how voraus. Mehr als 30 verschiedene Handwerke finden sich unter den 800 Mitarbeitern im Haus in Meyrin.

Hochkarätig: Gemeinsam mit ihrem Team kreiertChopard-Co-Präsidentin Caroline Scheufele zeitlos schöne Schmuckstücke
Hochkarätig: Gemeinsam mit ihrem Team kreiertChopard-Co-Präsidentin Caroline Scheufele zeitlos schöne Schmuckstücke

Haute Joaillerie

Gleich durch zwei gesicherte Türen geht’s ins Herzstück der Manufaktur. Doppelt hält besser, denn hier weht ein anderer Wind: Die Haute Joaillerie ist Chopards Aushängeschild. An den Wänden Bilder von Stars wie Marion Cotillard, Julia Roberts oder Ryan Gosling – Chopard gilt als Glücksbringer für heisse Oscar-Anwärter. In den Vitrinen die «Palme d’Or», die «Goldene Palme» für die Internationalen Filmfestspiele von Cannes, redesignt von Caroline Scheufele. Die Palme, das Symbol der Stadt Cannes, wurde in Filigranarbeit zu einem 19-blättrigen Palmwedel aus 24-karätigem Gold und auf einen handgeschliffenen rechteckigen Solitär aus Bergkristall gesetzt. Seit 1998 wird das geschätzt 25’000 Euro teure Stück hier in Meyrin produziert – gemeinsam mit der «Red Carpet Collection», wobei die Zahl der Schmuckstücke mit dem Jahr der Filmfestspiele korrespondiert. «Unsere Design-DNA würde ich durchaus als gewagt bezeichnen, wir folgen keinen Trends, wir schaffen neue Trends», weiss der Leiter des Ateliers, Marc Couttet. Stolz streicht der Designer über die Entwürfe, die nach einem internen Meeting schon für die Events in Cannes und die Schmuckmesse «Baselworld» bereitliegen. Ein wilder Mix aus Empire-Stil und Hippie-Look, 20er-Jahre und Romantik, bunt und schillernd mit Topasen, Turmalinen, Amethysten und Aquamarinen, Rubinen und Brillanten. Ein Feuerwerk aus mehr als 30 Farben, entworfen und skizziert von fünf Meisterdesignern – in 3 D, denn zeitgleich recherchieren Edelsteinfachleute schon präzise die passenden Steine. «Wir haben mit unserer 3-D-Verarbeitung und gewichtsreduzierenden, federleichten Materialien wie Titan ein ganz anderes Niveau erreicht als vor zehn Jahren. Bei manchen Stücken lautet die Designdevise: So wenig Gold wie möglich, es muss fliegen, wie bei ‹Garden of Kalahari›», beschreibt Caroline Scheufele die stete Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Das letzte Kapitel wurde, weil so aussergewöhnlich, sogar filmisch dokumentiert.

TheGardenofKalaharicushioncut_50.tif Alt-Text: Brillant: Aus dem 342-Karat-Stein «Queen of Kalahari» schuf Chopard eine Kollektion, die alle gängigen Schliffformen zelebriert

Diamonds are forever

«Jedes Mal, wenn ich den Moment im Film sehe, in dem begonnen wird, den ‹Queen of Kalahari› zu schleifen, bekomme ich fast Gänsehaut, denn seine jahrtausendealte Energie ist spürbar», erinnert sich Caroline Scheufele an den Startschuss ihrer aufwendigsten Haute-Joaillerie-Kollektion. 2015 erwarb die Designerin den Rohdiamanten «Queen of Kalahari» in Botswana. Mehr als eine Milliarde Jahre alt und völlig eingeschlossen in Kimberlit, ein Gestein vulkanischen Ursprungs, wurde der Diamant, ein Stein von 342 Karat mit dem besten Farbgrad «D» (Typ IIA) und einer unglaublichen Reinheit, im Lager der Karowe-Mine entdeckt. «Für die Verarbeitung dieses besonderen Rohdiamanten gab es viele Möglichkeiten. Ich wollte die ganze Palette ausschöpfen und alle wichtigen Schliffe von kissen-, herz- und tropfenförmigen Diamanten bis hin zu Brillanten und Diamanten im Smaragdschliff zeigen», erklärt die Gemmologin, fasziniert von der Klarheit von Diamanten, ihr ehrgeiziges Projekt. Geschliffen wurde der «Kalahari» in Antwerpen – neben New York, Russland und Indien das Mekka der Steinschleifkunst. Aus dem «Queen of Kalahari» wurde der «Garden of Kalahari» geboren: ein Ensemble aus 23 Diamanten, darunter fünf mit mehr als 20 Karat.

«Unsere Design-DNA würde ich durchaus als gewagt bezeichnen, wir folgen keinen Trends, wir schaffen neue Trends.»

Unter den virtuosen Händen der Meisterjuweliere von Chopard entstanden die sechs wertvollsten Schmuckstücke, die je bei Chopard kreiert wurden – und die vielseitigsten. Das ausgeklügelte Design des Geschmeides sieht verschiedene Tragemöglichkeiten vor: als schlichte Halskette, mondän mit einer Blüte, die durch einen unsichtbaren Mechanismus erscheint, und mit drei Anhängern, die aber wiederum Ohrringe sind. Zur Kollektion gehören auch ein Armband, zwei Ringe und natürlich eine aussergewöhnlich feine Schmuckuhr. Fantasie braucht offensichtlich Freiheit, denn die Diamanten und Lichtreflexe wirken, als seien sie zu feinster Spitze verwoben worden. So wenig Gold wie möglich und federleicht eben.

Vorhang auf für Glamour

Manchmal braucht es nur einen kleinen Stein des Anstosses, um ein Umdenken zu erreichen. «Wo kommt eigentlich Ihr Gold her?», fragte Livia Firth beim Frühstück nach der Oscar-Verleihung 2011, bei der ihr Mann Colin Firth für «The King’s Speech» ausgezeichnet wurde und dabei eine Herrenuhr der Chopard-Kollektion «L.U.C.» trug. «Von der Bank», lautete die Antwort Caroline Scheufeles. «Da wusste ich schon irgendwie, worauf sie hinauswollte», erinnert sich die dynamische Designerin schmunzelnd. Seitdem beteiligt sich Chopard an Livia Firths «Green Carpet Challenge», entwickelt von ihrem Label «Eco Age», einem Unternehmen für Nachhaltigkeit. In diesem breit angelegten Entwicklungsprojekt wird nachhaltiger Luxus gefördert. Unter dem Motto «The Journey» hat Chopard nun im Bereich der Haute Joaillerie eine «Green Carpet Collection» am Markt, die die Verwendung von «Fairmined Gold» aus kleinen handwerklichen Betrieben in Kolumbien oder Bolivien garantiert. Das Fairmined-Siegel findet sich aber auch auf exklusiven Stücken der Boutique-Kollektionen und Uhren aus der Manufaktur. Drei Prozent der jährlich benötigten vier Tonnen sind neuerdings «Fairmined» Gold. Bis zu viermal täglich wird das kühle Edelmetall, 24 Karat, unter Beigabe von Kupfer zu Rotgold, unter Beigabe von Silber zu Weissgold legiert. Geschmolzen in der Goldschmelzerei hier im Erdgeschoss, der letzten Bastion an Hochdrucköfen in Genf. «Die Dinge können nicht von einem Tag auf den anderen verändert werden», erzählt Caroline Scheufele nachdenklich, die sich in Sachen Nachhaltigkeit noch immer wie Don Quijote fühlt. Kein anderer Betrieb dieser Grössenordnung geht einen vergleich-baren Weg, der im Jahr 2017 längst schon Norm sein sollte. «Der absolute Luxus wird irgendwann sein, dass Sie genau wissen, unter welchen Bedingungen das Produkt, das Sie gewählt haben, hergestellt wurde.» Transparenz heisst das glänzende Zauberwort von Chopard – aber auch Tradition und Authentizität, denn seit mehr als 100 Jahren liegt es dieser Familie im Blut, Zeitmesser und Schmuck in besonderem Design autark zu kreieren, herzustellen und zu vermarkten – vom Chopard-Look der 1960er-Jahre, inspiriert von Jugendstil und Art déco, über die Happy Diamonds 1976 bis zur ersten Signature Collection, der «Animal World Collection» zum 150-jährigen Bestehen Chopards im Jahr 2010, erzählen die Plakate an den Wänden beim Hinausschlendern. Bleibt noch die Frage der Emotion, die das grosse Glitzern bekanntlich auslöst. Die Wahl des Schmucks erzählt sehr viel über die Persönlichkeit eines Menschen, ist Caroline Scheufele überzeugt, und plötzlich blitzt ihr schelmischer Charakter durch. «Ich sehe das immer in Cannes», erzählt sie, «wenn die Schauspielerinnen jünger sind, greifen sie eher zu den kleineren Dingen. Ausser Julia Roberts, sie ist natürlich auf den schönen grossen Smaragd zugelaufen: ‹I only need this – without shoes!›» Tja, Diamonds are a girl’s best friend … everywhere!

Gerne gut

Nachhaltige Vision

Neben der Diamantbestimmung anhand der berühmten vier Cs für Schliff (cut), Gewicht (carat), Reinheit (clarity) und Farbe (color) tritt zunehmend ein fünftes C ins Bewusstsein der Bevölkerung – und das ist gut so. Es heisst Konflikte (conflicts) und meint die Zertifizierung nach Herkunft und dem Standard «Kimberely Project». Das Luxuslabel Chopard beweist nicht nur Kompetenz in Sachen Luxusuhren und wertvolle Preziosen, sondern auch bei Unternehmenswachstum, sozialem und gesellschaftlichem Engagement. Chopard unterstützt mit dem «Kimberley-Prozess» und dem «World Diamond Council» gleich zwei Initiativen, die sich für die Eliminierung sogenannter Konfliktdiamanten aus den Zulieferketten einsetzen. Schon 2010 schloss sich das Luxuslabel der südamerikanischen «Alliance for Responsible Mining» an. Durch die Partnerschaft mit der Bergbau-NGO wurde Chopard die erste Luxusuhren- und Schmuckmarke, die Bergbaugemeinden im Kleinst- und Kleinbergbau unterstützt, die Fairmined-Zertifizierung zu erlangen und soziale Entwicklungsmöglichkeiten und Umweltschutzziele umzusetzen. Chopard ist Mitglied des «Responsible Jewellery Council», das verbindliche Standards, ethisch und sozial verantwortliche sowie umweltfreundliche Praktiken im Einklang mit den Menschenrechten entlang der gesamten Schmuckzulieferkette garantiert.

© Chopard