Weiterlesen

Neue Hoffnung für die Ozeane

Der Schutz der Ozeane und des Lebens in den Weltmeeren ist die Mission der in Lausanne ansässigen Stiftung Race for Water. Im April stach das Schiff der Stiftung, ein Symbol für die Energiewende, zu einer Odyssee der Hoffnung in See. Für die Erdumrundung mit an Bord: Lösungsvorschläge gegen die Verschmutzung durch den Menschen.

You First

Ein Drittel des Great-Barrier-Riffs ist durch die Klimaerwärmung endgültig dem Tod geweiht. Einer neuen Studie zufolge verursachen die Feinpartikelemissionen des Seeverkehrs allein in der Europäischen Union pro Jahr 60’000 vorzeitige Todesfälle. «Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Verschmutzung der Meere in das Bewusstsein der Menschen vorgedrungen ist», erklärt Marco Simeoni, Präsident der Stiftung Race for Water. «Nun muss etwas unternommen werden, und genau das tun wir mit dieser Odyssee. Während fünf Jahren umrunden wir die Erde, um konkrete Lösungsvorschläge für die Rettung der Ozeane anzubieten.» Die Stiftung hat zwei Aufgaben: Zum einen ist es ihr Ziel, mit ihrem Schiff, das von einer Treibstoffmischung aus erneuerbaren Energien angetrieben wird, die Energiewende voranzubringen; zum anderen fördert Race for Water eine Technik, mit der Plastikmüll in Energie umgewandelt werden kann.

SONNE, WASSERSTOFF UND KITESEGEL

Das Race-for-Water-Schiff wird nur mit sauberen Energien angetrieben: mit Sonnenenergie, Wasserstoff und einem Kitesegel. Experten zufolge wird die Energiewende durch die Kombination unterschiedlicher erneuerbarer Energiequellen geschehen. Das mit 500 Quadratmetern Solarkollektoren bedeckte und mit Batterien ausgestattete Schiff bewies im Jahr 2012, dass es einer Erdumrundung gewachsen ist. Die Speicherkapazität der Batterien sowie deren Gewicht schränken seine Reichweite auf lange Sicht jedoch ein. Um die batterieunabhängige Speicherung sauberer Energie ohne Verlust zu ermöglichen, wurde an Bord ein Wasserstoffsystem installiert. Sobald die Batterien aus der Stromproduktion durch die Photovoltaikmodule aufgeladen sind, verwendet dieses System überschüssige Energie zur Gewinnung von Wasserstoff aus dem Meer und speichert diesen in Kohlenstofftanks. Wenn die Reichweite des Schiffs aufgrund schwacher Solarenergie begrenzt ist, wird der Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Luft vermischt und in eine Brennstoffzelle befördert – ein Prozess, bei dem sowohl elektrische Energie als auch Wasser produziert werden. Durch die Kopplung beider Systeme kann bei Bedarf saubere Energie hergestellt und die Reichweite des Schiffs vervierfacht werden. «Um eine noch grössere Reichweite zu erlangen, kann ein Kitesegel (Drachensegel) das Schiff fortbewegen und gleichzeitig Strom produzieren. Somit haben wir noch eine zusätzliche Energiequelle», erklärt Marco Simeoni.

Nachhaltig : Das Race-for-Water-Schiff wird nur mit erneuerbaren Energien angetrieben: mit Sonnenenergie, Wasserstoff und einem Kitesegel
Nachhaltig : Das Race-for-Water-Schiff wird nur mit erneuerbaren Energien angetrieben: mit Sonnenenergie, Wasserstoff und einem Kitesegel

KOMMERZIELLE TECHNOLOGIEN

Inseln, die für ihre Energieproduktion heutzutage fast vollständig auf durch Frachter importiertes Erdöl angewiesen sind, verfügen über dieselben Ressourcen wie das Race-for-Water-Schiff. Es handelt sich hier also um ein Energiemixmodell, von dem diese Inseln Gebrauch machen könnten. Damit dieses Modell schnell adaptiert werden kann, hat sich die Stiftung für frei zugängliche kommerzielle Technologien entschieden. Eine weitere Herausforderung, vor der Inseln und Küstengebiete stehen, ist der frei umherschwimmende Plastikmüll, der die Ozeane verschmutzt. Im Jahr 2015 unternahm Race for Water eine erste Expedition um die Welt, bei der die erste globale Studie zur Plastikverschmutzung in den Ozeanen durchgeführt wurde. Diese brachte ans Licht, dass «Plastikinseln» inmitten der Ozeane gar nicht existieren. Stattdessen findet sich dort eine «Suppe» aus ultrafeinen Plastikpartikeln, die sich mit den Strömungen mitbewegt. Diese Partikel aus dem Meer zu filtrieren ist unmöglich; es muss an Land etwas unternommen werden, bevor das Plastik die Ozeane überhaupt erreicht. Zusammen mit einem Partner entwickelt die Stiftung eine Maschine, die Plastikmüll in Energie umwandelt. Dieses Verwertungspotenzial regt zum Einsammeln an und verleiht dem Plastikmüll einen Wert ähnlich dem von PET oder Aluminium. Die Maschine ist bestellt, und im Herbst startet ein Pilotprojekt. Eine andere Art der Wende – die Umwandlung des Mülls von heute in die Ressource von morgen.

© Vann Riou, Peter Charaf