Weiterlesen

Nachhaltigkeit –
In aller Munde

Knapp 30 Prozent unserer Umweltbelastung verursachen wir Schweizer mit unserer Ernährung. Wie wir Freundschaft, Fleisch und eine Flasche Wein trotzdem geniessen, zeigt ein fiktives Nachtessen unter Freunden, die kein Blatt vor den Mund nehmen.

Climate Change

Ein gemütliches Nachtessen auswärts, wo wollen wir hin? Laura will vegetarisch, Natalja möchte einheimische Küche, Marco steht auf Fleisch und Daniel liebt Pasta. Wir wählen einen Italiener: die Pasta ist hausgemacht, die Pizza auch, steht auf der Webseite. Das Fleisch kommt aus der Schweiz, der Wein ist gut. Trotzdem bleibe ich beim Wasser. Bei aller Toleranz, geht das zu weit?

Klimafreundlich essen

Ich erzähle von meinem Plan, nachhaltig zu leben und vom Artikel „Spaghetti Bolognese. Wie klimafreundlich ist der Klassiker?“ Marco hakt nach: „Was heisst überhaupt nachhaltig?“ Laura googelt: „Der Begriff stammt aus der Holzwirtschaft. Heute bedeutet es, dass man von einer Ressource nicht mehr braucht, als wieder nachwächst, sich regeneriert oder man wieder bereitstellen kann.“ Skeptisch fragt Daniel: „Kann man das heutzutage denn noch nachverfolgen?“

Ein Essen = neun Kilometer Auto fahren

Natalja antwortet, sie habe von Umweltbelastungspunkten (UBP) gelesen. Die Methode der ökologischen Knappheit berücksichtige für die Herstellung eines Produkts neben politischen Zielen und der Gesetzgebung eines Landes den Verbrauch von Ressourcen und den Ausstoss von Schadstoffen. Das klinge kompliziert, meint Marco. „Die UBP können wir inzwischen für viele Produkte online ausrechnen“, wende ich ein. Wir rechnen für meinen Teller aus: Spaghetti Bolognese mit Rindfleisch – etwas mehr als 3000 UBP. Diese Umweltbelastung entspreche etwa einer 8,6 Kilometer langen Fahrt mit dem Auto. Klar ist das, verglichen mit einem Langstreckenflug nach New York, wenig. Bedenkt man aber, dass wir täglich zwei- bis dreimal essen, summieren sich die Punkte schnell. Eine Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) erklärt, knapp 30 % der Umweltbelastung gingen in Schweizer Haushalten aufs Konto unseres Ess- und Trinkverhaltens.


Einfach abschalten

Jetzt bin ich in Fahrt: „Wir Schweizer brauchen sowieso schon dreimal mehr Ressourcen, als die Erde für uns bereitstellt. Wie viel ihr verbraucht, könnt ihr mit dem WWF-Fussabdruck-Rechner prüfen. Was ist da schon ein Glas Wein?“ – „Ja, aber sollen wir denn nichts mehr essen?“, fragt Marco mit verzweifeltem Blick auf sein „böses“ Fleisch (ca. 2000 UBP) und den Wein in seinem Glas (ca. 1800 UBP). Er habe sowieso gelesen, dass unsere Wohnsituation auch 24 Prozent der Umweltbelastung ausmache. Kleine Wohnflächen nutzen, diese wenig beheizen und kalt duschen zähle also auch. Und ausserdem sei er der Einzige in unserer Runde, der sein Handy fürs Nachtessen weggelegt habe. Ich gebe ihm Rückendeckung. Eine Stunde Video-Streaming produziert so viel Kohlenstoffdioxid wie ein Kilometer Autofahren, sagt Ralph Hintemann, Energieforscher am Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit aus Berlin. Auch Suchanfragen, E-Mails-Schicken und -Abspeichern in einer Cloud verursachen CO2: Laut Google produziert eine Anfrage etwa 0,2 Gramm CO2. Bedenkt man, wie oft wir Dinge googeln und wie viele E-Mails wir schreiben, kommt eine beträchtliche Menge zusammen. Daniel doppelt nach: Er habe gelesen, dass Handys trotz beachtlichem Recycling-Potential kaum sachgerecht entsorgt würden. Nur rund ein Fünftel aller Smartphones werde zum Recycling gebracht. Dabei bestünde ein Handy zu 42 % aus Metallen wie Gold und Kupfer. Recycling sei gemäss des IT-Verbandes SWICO achtmal schonender als die Rohstoffgewinnung. Betreten schauen wir auf unsere leuchtenden Geräte. Natalja schaltet ihres demonstrativ aus.

Mit Zertifikat zum Ausgleich

Mittlerweile hat sich der Chef des Restaurants zu uns an den Tisch gesetzt und offeriert Kaffee. „Übrigens, der Kaffee stammt aus Fairtrade-Produktion“, erzählt er zufrieden. „Wenn unser Lokal schliesst, schalten sich automatisch alle Geräte aus. Ausserdem haben Sie mit unseren Menüs saisonal frisch und lokal gespeist.“

Dann fügt er hinzu: „Mithilfe von South Pole sind wir klimaneutral. Wir haben den Fussabdruck unseres Restaurants erst berechnet, dann signifikant reduziert und kompensieren nicht-vermeidbare CO2-Emissionen durch ein zertifiziertes Klimaprojekt.“ Man könne zum Beispiel zur Aufforstung in Uganda beitragen oder Windkraftanlagen in Taiwan unterstützen. Stolz zeigt er sein Klimaneutralitäts-Zertifikat.

Zufrieden trinken wir unseren Kaffee aus. Wer bezahlt? Marco sagt, er nehme das feine Fleisch auf seine Kappe und werde sich in den kommenden Tagen an emissionsarme, also pflanzliche und saisonale Bio-Nahrungsmittel halten.

Sie wollen noch etwas mehr für die Umwelt tun? Mit einer Climate Credit Card kompensieren Sie die CO2-Emissionen direkt und bequem mit jeder Zahlung.