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Krisenfest

Manchmal ist das Leben eben kein Ponyhof. Dann ist es gut, dass es Menschen wie den Survivaltrainer Gion Saluz de Salugo gibt, die einen sattelfest für rauere Lebensphasen machen.

Lifetime

Kilometerlanger Sandstrand, gesäumtvon hohen Kokospalmen, weit und breit keine Menschenseele zu sehen,und das einzige Geräusch ist das sanfte Rauschen des Ozeans. Wer hat sich nicht schon einmal nach der berühmten einsamen Insel gesehnt? Einfach mal der Hektik des urbanen Treibens entfliehen und so richtig zur Ruhe kommen. Und wer hat nicht auch schon mal die Frage gestellt bekommen, was denn auf die ominöse einsame Insel mitgenommen werden würde? Gion Saluz de Salugo muss da nicht lang überlegen. «Ein Messer, ein Feuerzeug und eine wasserdichte Plane», antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder, arbeitet er doch als Survivaltrainer im Zürcher Umland. Seine Auswahl wirkt zu Recht etwas nüchtern-praktisch. Denn die Realität auf einer einsamen Insel hat oft wenig mit romantisierten Vorstellungen zu tun. Fernab jeglicher Zivilisation geht es ums nackte Überleben. Klar im Vorteil sind all jene, die auf die Trickkiste von Saluz de Salugo zurückgreifen können. «Prepper» werden Menschen genannt, die stets auf Krisen und Katastrophen vorbereitet sind. Der Outdoorexperte hält sie keineswegs für übertrieben vorsichtig und ängstlich oder gar für Verschwörungstheoretiker, wobei er anmerkt, dass es wichtig ist, sich nicht in Krisenszenarien zu verlieren. Vorbereitung auf den Ernstfall in gesundem Masse empfiehlt er jedem. Was das genau bedeutet, lehrt er in Kursen in der Natur.

Best Practice

Beim «Save your Life»-Kurs werden die Teilnehmer auf unterschiedlichste Notstandssituationen vorbereitet und lernen, was ein Fluchtrucksack beinhalten sollte. Während der Bushcraft-Woche erfahren sie, wie sie nur mit Hilfsmitteln aus der Natur überleben, und das Wintersurvivalprogramm zeigt, wie in der kalten Jahreszeit Notsituationen überstanden werden. Allen Angeboten gleich ist das mentale Überlebenstraining. «Das ist die Grundvoraussetzung!», erklärt Gion Saluz de Salugo, «der Umgang mit der eigenen Angst ist wichtig, um in der Notsituation Ruhe zu bewahren. Es geht darum, psychologischen Handlungsspielraum zu schaffen. Wenn unser Verstand die Komfortzone verlässt, tendiert er zu Überreaktionen. Mit entsprechendem Training kann das vermieden werden.» Tiefenentspannung ist auf der einsamen Tropeninsel mit Sonne und Meer sicherlich leichter zu erreichen als in einer Krisensituation. Mit dem versierten Survivaltrainer ist das aber auch in weniger komfortablen Settings möglich. Schon allein seine besonnene Sprechweise wirkt beruhigend. Ausserdem verfügt er über praktisches psychologisches Wissen. Denn bevor Gion Saluz de Salugo zum Überlebenscoach wurde, war er im Gastgewerbe tätig. «Das war eine ausgezeichnete Schule in Sachen Menschenkenntnis!», erinnert er sich an die Zeit zurück. Auch eine Kunstschmiedeausbildung hat er absolviert. Naturverbunden war er schon immer, und so kam es, dass mit einem Freund, selbst Outdoorexperte, bei einem Lagerfeuergespräch der Grundstein für seinen Werdegang als Survivaltrainer gelegt wurde. «Survivaltrainer wirst du durchs Leben und nicht durch Bücher», merkt der Naturbursche an und erzählt von einer Reise nach Thailand, auf der ihn eine Vergiftung fast das Leben gekostet hätte.

I will survive: Gion Saluz de Salugo weiss sich auch fern jeglicher Zivilisation bestens zu helfen
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Back to the roots

Neben den Fähigkeiten zum Überleben schätzt Saluz de Salugo aber auch, dass einen die Natur lehrt, etwas zur Ruhe zu kommen. «Die moderne Welt, die urbane Umgebung ist gekennzeichnet durch starke Reizüberflutung. Im Wald ist das alles ausgeschaltet, wir können wieder Gedanken fassen und unserer natürlichen Intuition nachgehen», führt er mit einer Entspanntheit aus, die seinen Worten sofort Glaubwürdigkeit verleiht. Eine Qualität, die auch seine Kursteilnehmer schätzen: Bei den Outdoorausflügen kommen alle möglichen Charaktere zusammen, sitzen am Lagerfeuer, philosophieren mit Gion Saluz de Salugo über das Leben und kommen zur Ruhe. Obwohl dem Survivalexperten diese Erlebnisse viel Freude bereiten, gehen die Zeiten der Entbehrungen in der Natur auch an ihm nicht spurlos vorüber. Übernachten im selbst gebauten Shelter aus Ästen und Zweigen oder Trinkwasser aus dem Stamm von Birken gewinnen ist nun mal kein Zuckerschlecken. Und auch Outdoorfreaks geniessen das komfortable Leben in der Zivilisation – sie schätzen die Annehmlichkeiten nur viel bewusster, wie Saluz de Salugo bestätigt. Da braucht es dann gar keine gedankliche oder reale Flucht auf die einsame Insel mehr – und falls doch, sind die Survivaltipps vom Experten eine optimale Vorbereitung.

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