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Klimaschutz -
Ein Geschenk für unsere Kinder

Unser Leben auf zu grossem, ökologischem Fusse fordert seinen Tribut. Aber das Tempo der Erderwärmung können wir jetzt noch mitbestimmen. Verständigen wir uns auf eine nachhaltigere Lebensweise, ist viel gewonnen.

Climate Change

Mein Patenkind Samira liebt „Die Eiskönigin“. Kurzerhand habe ich sie auf eine Wanderung zu den Chatzulechern am Aletschgletscher eingeladen. Jetzt dreht sie sich zu mir um und fragt: „Gotti, gibt es das ewige Eis?“ Nachdenklich schaue ich auf die gefrorene Landschaft vor uns, denke an die immer länger anhaltenden Dürre- und Hitzeperioden in Europa, an den Wassernotstand in Rom und Südafrika, an durstige Elefanten in Simbabwe und an den weltweit steigenden Meeresspiegel.

Wärmer. Nur, wie viel?

Dass unser Planet seit Jahrzehnten wärmer wird, weist das NASA Goddard Institute for Space Studies nach. Seit 1880 ist die Erdtemperatur um mehr als ein Grad gestiegen. Die letzten fünf Jahre stellen einen Wärmerekord auf. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt warnt gar, die mittlere Jahrestemperatur des Landes sei seit 1864 um zwei Grad gestiegen.

„Der Morteratsch-Gletscher wird immer kürzer und das Steinfeld davor immer länger. In 110 Jahren, von 1900 bis 2010, hat er sich um über zwei Kilometer zurückgezogen.“ © Fabian Stamm/WWF
„Der Morteratsch-Gletscher wird immer kürzer und das Steinfeld davor immer länger. In 110 Jahren, von 1900 bis 2010, hat er sich um über zwei Kilometer zurückgezogen.“ © Fabian Stamm/WWF

Das Ziel, unseren CO2-Ausstoss bis 2030 um 50 Prozent zu senken, bleibt eine Herausforderung. Ähnlich sieht die Lage für die EU aus. Andere Staaten bleiben weit hinter ihrem Klimaziel zurück. Ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zur 25. Weltklimakonferenz in Madrid kommt zu dem Schluss, dass sich die Erde bis Ende dieses Jahrhunderts um weitere drei Grad erwärmt, wenn wir uns alle nicht zu einem sportlicheren Klimaschutz durchringen.


Wenn das ökologische System kippt

Im Zug nach Hause zeige ich Samira, welchen Preis Mensch und Natur bezahlen, wenn sich die Erde in den nächsten Jahrzehnten nicht nur um 1,5, sondern um ganze 2 Grad erwärmt.

Infografik “Climate risks: 1.5°C vs 2°C global warming” © WWF
Infografik “Climate risks: 1.5°C vs 2°C global warming” © WWF

Die Organisation World Wide Fund for Nature (WWF) macht auf sogenannte „Tipping-Points“ aufmerksam. Dazu gehört Trinkwasserknappheit genauso wie das grosse Eisschmelzen. „Früher sagte man, am Nordpol und auf Gletschern finde man das ewige Eis“, erkläre ich. „Aber genau dieses schmilzt jetzt. Der Aletschgletscher ist in den letzten 20 Jahren etwa einen Kilometer kürzer geworden. Der Gletscherforscher Guillaume Jouvet von der ETH Zürich rechnet damit, dass die Schweizer Gletscher um die Hälfte zurückgehen bis Ende dieses Jahrhunderts, wenn wir die Erderwärmung auf 2 Grad beschränken.“ Und das geschmolzene Eis bleibt nicht in Pfützen liegen. Wasser, in Gletschern massenhaft natürlich konserviert und in Europa lange selbstverständlich, wird weltweit knapper.


Klima und Natur schützen

Samira will wissen, wie es so weit kommen konnte. Treibhaus-Gase wie CO2, Methan und Lachgas verstärken die Erderwärmung, und wir Menschen sind mit 95-prozentiger Sicherheit für die globale Erwärmung in den letzten 50 Jahren verantwortlich, schreibt das Schweizer Bundesamt für Umwelt. Umgekehrt heisst das: Jeder von uns kann seinen Beitrag dazu leisten, das Tempo der Klimaerwärmung zu verringern, zum Beispiel indem wir unseren CO2-Ausstoss reduzieren.

Ein Mitreisender hat unser Gespräch verfolgt und zeigt Samira auf seinem Handy den WWF-Fussabdruck-Rechner. „Vieles ändert sich schon, wenn wir konsequent weniger fliegen und Ferien in der Nähe machen“, erklärt er. „Wir können nach neustem Wissensstand heizen, erneuerbare Energien denjenigen aus Kohlekraftwerken vorziehen und saisonale Produkte einkaufen. Auch die Förderung der Artenvielfalt lohnt sich.“ Ich hake ein: „Es gibt auch einen CO2-Rechner für Firmen. Die Organisation South Pole hilft Unternehmen, ihren CO2-Ausstoss zu verringern und bei Bedarf zu kompensieren. Dafür vermittelt die Organisation Klimaschutz-Projekte weltweit, die man mit Geld unterstützen kann. Der CEO Renat Heuberger rät zum spielerischen Potentiale-Aufdecken.“


Spielerisch Verantwortung übernehmen

Wir steigen aus. Samira hüpft neben mir her und singt: „Folg dem Nordwind“. Sie will heute Abend mit mir Nudeln aus Zucchini machen und dazu Tofu braten. Zum Dessert soll es Bio-Äpfel und ein bisschen Schoggi geben. Im Baumarkt kaufen wir noch Bio-Erde, Blumen- und Gemüsesamen, die mit ihren Blüten die Insekten freuen, sowie Töpfe, damit Samira ihren Beitrag zur Biodiversität zuhause auf dem Balkon leisten kann. Als Gotti darf ich sie ja ein bisschen verwöhnen. Umso besser, wenn ich ihr damit zeige, wie Nachhaltigkeit geht. Investieren wir in eine gesündere Erde – als Geschenk an unsere Kinder!