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Geniestreich

Aus der Ideenschatzkiste der Forschung: unerhörte Überschalljets, künstliche Fotosynthese oder Handys zum Falten.

Vision

Leiser Überflieger

Seit der Pensionierung der Concorde ist kein Überschall-Passagierflugzeug mehr am Himmel unterwegs. Das könnte sich bald ändern: Lockheed Martin bastelt an einem Flieger, der angeblich flüsterleise ist und somit auch Länder mit Überschall überfliegen kann. Die Lärmbelästigung soll etwa so stark sein wie jene durch eine zufallende Autotür. Die Daten, die bisher verraten wurden, lassen staunen: In einer Flughöhe von 17’000 Metern soll eine Reisegeschwindigkeit von 1’512 km/h erreicht werden. Bleibt zu hoffen, dass hier niemand vor dem Jungfernflug, der 2021 stattfinden soll, doch noch die Türe lautstark zuschlägt.


Atemholendes Blatt

Die Fotosynthese ist einer der komplexesten Vorgänge in der Natur: Bei diesem Prozess wandeln Pflanzen durch Sonnenenergie Wasser und Kohlendioxid in Sauerstoff um. Der Vorgang ist so natürlich stark vereinfacht dargestellt. Bei der Erfindung der University of Illinois in Chicago geht es aber weniger um den Vorgang an sich, sondern eher um die künstliche Simulation von ebendiesem. Den Forschern ist es gelungen, ein künstliches Blatt zu erschaffen, das dank einer semipermeablen Membran als Ionentauscher arbeitet und so das Verdunsten von Wasser nach aussen ermöglicht. Im Inneren befinden sich eine Fotosynthese-Einheit und Katalysatoren, die Kohlendioxid in Kohlenmonoxid umwandeln. Das Ergebnis ist Sauerstoff als Abfallprodukt. Angeblich ist das künstliche Blatt dabei zehn Mal effizienter als die natürliche Version.


Begehrtes Falten

Die Technik gibt es schon lange und Prototypen gibt es ebenfalls genügend. In den Verkauf hat es bisher aber kein faltbares Mobiltelefon geschafft. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern. Die chinesische Firma Royole hat nämlich ein Handy vorgestellt, das sich in der Mitte falten lässt. Der Clou dahinter: Ausgeklappt ist das Gerät ein praktisches Tablet mit 7,8 Zoll, zusammengeklappt dient es als handliches Mobiltelefon – mit einem Bildschirm auf der Vorder- und auf der Rückseite. Die Chinesen verpassten ihm den Namen FlexPai und versprechen, dass sich das Display mindestens 200’000 Mal zusammenfalten lässt, ehe es kaputtgeht. Zwei Wermutstropfen gibt es allerdings: Einerseits wird das Gerät nur für den chinesischen Markt produziert, andererseits lässt sich das Unternehmen die Innovation auch teuer bezahlen – unter 1’000 Franken geht gar nichts.


Alternative Windjammer

Bei Fahrzeugen wird stets nach grünen An-triebsarten geforscht, aber auf hoher Seegibt es kaum Alternativen. Die Frachter wer-den meist mit Schweröl betrieben und sind wahre Umweltmonster. Da es aber auch nicht ohne geht, entwickelte das Unternehmen Sailcargo ein Transportschiff, das CO2-neutral über die Meere gleiten soll. Dader Dreimaster mit mehr als zwei Dutzend Segeln aber im Hafen für Chaos sorgen wür-de, sind zusätzlich Elektromotoren verbaut,die durch Sonnen- und Windenergie gespeist werden. 2021 soll der Frachtsegler unter-wegs sein. Einziges Problem: Der Grundpreis pro Tonne Fracht soll 20 Mal höher sein als bei klassischen Containerschiffen.


Heilende Schuhsohlen

Wäre es nicht wunderbar, wenn Dinge sich von selbst reparieren würden? Nehmen wir etwa eine kaputte Schuhsohle. Anstatt den Sneaker zum Schuster zu bringen, wird er einfach in die Sonne gelegt – und dann wird gewartet, bis sich das Loch wieder schliesst. Was sich nach Zauberei anhört, könnte bald schon Realität sein. An der University of Southern California wurde ein gummiartiges Material entwickelt, das sich selbst heilen kann. Das Grundmaterial ist flüssig, wird aber mittels Fotopolymerisation, die auch zum Aushärten von Zahnfüllungen verwendet wird, gehärtet. Durch komplexe chemische Vorgänge entwickelt dieses Material unter Zufuhr von Wärme Selbstheilungskräfte. Die sich selbst heilende Schuhsohle ist der Anfang, unkaputtbare Karosseriebauteile sind das Ziel.


© beigestellt/ Royole