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Der Uhrmacher

Carlo Giordanetti weiss, wie die Uhr tickt. Muss er auch, denn er ist Creative Director der Uhrenmarke Swatch. Ein Gespräch über Respekt, Kreativität und Kunst. Auch jene, pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Biz Talk

Über die Hälfte des weltweiten Umsatzes am Uhrenmarkt wird von der Schweiz erwirtschaftet. Zu diesem erstklassigen Standing trägt natürlich auch die legendäre Marke Swatch bei. «Swiss Made» sei ein absolutes Markenzeichen für Qualtiät und Handwerk. Für Swatch müsse dies mit Leistbarkeit und Identität verbunden werden, meint Carlo Giordanetti. Der gebürtige Italiener trägt seit 2012 in seiner Funktion als Creative Director bei Swatch dazu bei, dass das Label Swiss Made auch weiterhin mit Stolz getragen werden kann. Nach einem Marketingstudium in Mailand war er unter anderem bei Montblanc, Piaggio sowie in unterschiedlichen Funktionen im Hause Swatch tätig. Ganz klar eine Liebesbeziehung, denn es gibt nur wenige Marken auf dieser Welt, die Emotion, feines Schweizer Qualitätshandwerk und modernes Design derart vereinen. Was den kreativen Mailänder antreibt, ist die Kunst. «Sie ist für mich wie Sauerstoff», schwärmt Giordanetti über seine Leidenschaft. Das macht sich auch in seiner Arbeit bemerkbar.

Signor Giordanetti, welche Uhr tragen Sie heute?

Ich trage immer zwei Uhren, auf meiner linken Hand ist es heute eine Swatch «Irony – Black is back» und auf meiner rechten Hand ein weisses «Bellamy»-Modell.

Wählen Sie die Modelle morgens aus, weil Sie gerade Lust drauf haben, oder auch ein bisschen nach Ihrer Kleidung?

Eigentlich beides! Ich muss aber dazusagen, dass ich keine Uhren besitze, die ich nicht sehr mag. Denn wenn ich sie nicht mögen würde, würde ich sie mir ja nicht kaufen! (lacht)

Was ist Ihr Lieblingsmodell von Swatch?

Da im Moment noch Sommer ist, mag ich die neue sommerlich weisse Swatch «Chrono» sehr. Mein absolutes Lieblingsmodell jedoch ist «Jelly Fish», ein sehr klassisches, transparentes Modell.

Ist es sehr wichtig, eine pünktliche, genaue Person zu sein, um für ein Unternehmen wie Swatch zu arbeiten?

Ich finde, es ist sehr wichtig, pünktlich zu sein, ganz besonders wenn Sie nicht für eine Uhrenmarke arbeiten! (lacht herzlich) Nein, natürlich erwarten die Menschen, dass wer für ein Uhrenunternehmen arbeitet, pünktlich ist. Pünktlichkeit ist jedoch generell im Leben ein Zeichen von Respekt und guter Erziehung.

Sie sind nun Creative Director bei Swatch. Beim Betrachten Ihrer Karriere scheint Ihr Leben mit Swatch verbunden zu sein. Warum?

Es ist eine Frage der DNA, ich bin ein sehr extrovertierter Mensch, etwas, wofür auch die Marke Swatch steht. Ich mag es, von Menschen umgeben zu sein, ich glaube sehr an die Kraft der Emotion. Sie ist für mich Ausdruck der Leidenschaft, und Leidenschaft ist letztendlich immer ein Antriebsmotor, auch in schwierigen Momenten des Lebens. Ich bin glücklich, die künstlerische Seite der Marke, die Zusammenarbeit mit Künstlern und Ausstellungen, entwickelt zu haben, denn das spiegelt mich als Person sehr wider. Es gibt nur wenige Marken auf dieser Welt, die all das in sich vereinen.

Wie würden Sie Ihre Position des «Creative Director» selbst beschreiben? Sind Sie ein kreativer Künstler oder reiner Geschäftsmann?

Ich bin kein Künstler, ich habe viel zu sehr Respekt vor Künstlern, als mich mit ihnen auf eine Ebene zu stellen. Ich glaube, «Creative Director» ist exakt die richtige Definition meines Berufs. Ich entwerfe nicht, ich bin ja kein Designer. Meine Aufgabe ist es vielmehr, die Designer zu inspirieren, zu leiten und ihre Arbeit «in a Swatch way» zu beurteilen. Das ist eine interessante Übung für den Menschen: einerseits mit dem persönlichen Geschmack verbunden zu sein, auf der anderen Seite zu verstehen, was die von einem selbst vertretene Marke gerade braucht. Das hängt zusammen mit Erfahrung, unglücklicherweise auch mit Alter und wiederum mit Respekt.

Was war Ihr erster Berührungspunkt mit Kunst?

Ich bin erfreulicherweise in einer Familie aufgewachsen, in der Kunst und generell Ästhetik und Schönheit immer ein Teil unseres Lebens waren. Der erste wirkliche Kontakt mit Kunst ergab sich, als mich meine Mutter zu einer Ausstellung des Künstlers Wifredo Lam mitnahm. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, weil es eben nicht die herkömmliche, traditionelle, sondern moderne, surrealistische Kunst war. Für ein Kind eröffnet so etwas eine ganz neue Welt. Wer wie ich in Italien, in Mailand, aufwächst, ist umgeben von Kunst, von Kirchen und Palazzi. Moderne Kunst aber war für mich der Funke, der das Feuer in mir gezündet hat.

Welche Kunstwerke würden Sie gern selbst besitzen?

Ich liebe die Kunstwerke von Mark Rotkho, seine Farben haben eine sehr starke Sprache, und jene von Jean-Michel Basquiat. Er ist einer der «Wilden», und ich mag seine Ausdrucksstärke, die mich immer wieder herausfordert und mich wirklich zwingt, nachzudenken. Müsste ich heute wählen, dann wären es diese beiden. Jetzt habe ich Ihnen einen Tipp verraten, falls Sie mit Santa Claus sprechen! Wahrscheinlich muss ich mich aber mit dem Poster begnügen … (lacht)

Lässt sich Swatch in seiner Verbindung zur Kunst als modernes Mäzenatentum bezeichnen?

Ich würde sagen, für zeitgenössische Kunst ja. Wir schätzen es sehr, mit grossen Namen im Kunstbusiness zu arbeiten, aber auch mit jungen Künstlern, die noch eine Karriere vor sich haben. Swatch ist ein sehr aktiver «Patron», denn es geht uns nicht nur um die Finanzierung, wir wollen das Kunstprojekt Wirklichkeit werden lassen. Während der Biennale di Venezia 2015 etwa haben wir die Ausstellung der Künstler im Arsenale fünfmal verändert. Während einer Biennale! (lacht) Das war wirklich sehr verrückt! Das ist genau so, wie wir alles machen und wie wir eben sind: Wir lieben es mittendrin, involviert und ein Teil des grossen Ganzen zu sein!

«‹Made in SwitZerland› ist Synonym für die Schönheit des Metiers der Uhrenkunst.»

In Ihrer Karriere haben Sie immer wieder für Marken im Luxussegment gearbeitet. Was ist der Unterschied zu einer Markenpositionierung im Bereich des Massenprodukts?

Auf der einen Seite ist es Teil der Identität von Swatch, eine sehr demokratische Marke zu sein: Sie ist leistbar, sehr weit verbreitet – ein grosser Unterschied zu elitären und teuren Luxusmarken. Auf der anderen Seite – und das schätze ich so sehr an Swatch – haben wir durch unsere Zusammenarbeit mit Künstlern eigentlich auch die Möglichkeit, eine Verbindung zu Kunden herzustellen, die sonst nur Luxus kaufen. Es gibt ja viele andere Luxusmarken, die mit Künstlern arbeiten, aber niemand schafft es in einem so breit gefächerten Angebot, Kunst auf die Strasse zu bringen. Ich glaube, das ist eine fantastische Provokation, plötzlich marschiert die Arbeit eines Künstlers einfach die Strasse runter oder fährt U-Bahn. Das ist der grosse Unterschied: Es ist eine Marke, die Ausdruck und Identität zu den Menschen bringt, und das macht sie auch so einzigartig.

Swatch gibt es nun schon seit 30 Jahren. Wie stellen Sie es an, dass die Marke noch immer so populär ist?

Unglücklicherweise, weil wir so gut sind! (lacht) Der Grund unserer Popularität ist, dass wir die Herausforderung annehmen, mit Kreativität und Innovation als konsequenter Basis zu arbeiten. Da sich der Mensch und sein Geschmack ständig verändern, müssen wir uns jede Jahreszeit neu erfinden. Die Kraft für konsequente Erneuerung ist der Erfolg der Marke Swatch und auch der Grund, warum die Menschen jeder unserer Kollektionen Aufmerksamkeit schenken.

Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft, Ihre Inspiration?

Aus der Möglichkeit, viel zu reisen. Damit meine ich sowohl das wirkliche Reisen als auch jene Reisen, auf die mich ein Buch oder ein Magazin mitnehmen können. Ich lese sehr viel, und ich muss die Gegenstände fühlen, um mich in etwas hineinversetzen zu können. Ich benötige eine Ansammlung von Momenten und Materialien, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt verbinden. Dann ist es sehr wichtig, seine Antennen auszufahren und verschiedene Signale und Strömungen zu erkennen, denn die Kunst von Swatch ist es, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

An diesem glücklichen Punkt angekommen und von der Muse geküsst – wie geht es dann mit dem Designprozess weiter?

Wir arbeiten, so ähnlich wie das Modebusiness, mit Jahreszeiten. Es gibt also den Moment, an dem ich alle meine Ideen auf den Tisch legen muss. Dann versuche ich den Designern meine Visionen in Geschichten oder Bildern zu erzählen. Nach dieser ersten Besprechung haben sie für einige Wochen die Freiheit, ihren eigenen Teil der Geschichte zu kreieren. Es ist so, als bekämen sie die Adresse, wo sie hinwollen, aber der Weg wird ihnen nicht erklärt. Vor der ersten spezifischen Präsentation kommt es zu einer oft sehr emotionalen Auswahl, bei der ganze Projekte wieder gestrichen werden. Haben wir uns dann für eine Kollektion entschieden, starten die technischen Vorbereitungen, um das Produkt zum Leben zu erwecken.

Können Sie uns von der neuen Herbstkollektion erzählen?

Wir haben im Herbst drei wesentliche Geschichten zu erzählen: Modelle mit einem sehr minimalistischen, puren und eleganten Touch, aber gleichzeitig auch einem Hauch von Vintage. Dann haben wir das sehr junge, expressive, freimütige Thema «The voice of freedom» entwickelt, das Street Art, Graffiti und die bunte Welt der Emojis vereint, gefolgt von einer sehr schönen Herbst/Winter-Kollektion, der eine britische Atmosphäre zugrunde liegt: ein bisschen schottischer Lifestyle, gewürzt mit ein bisschen britischem Humor.

Swatch ist nicht nur ein Synonym für Kreativität, sondern auch für Innovation. Waren Sie auch in die Produktion des Modells «Bellamy» involviert?

Ich war natürlich Teilnehmer auf dieser «Bellamy»-Abenteuerreise, und ich bin sehr stolz darauf! Es ist ein interessantes Projekt, es macht Spass und es entspricht dem Image von Swatch: Die neuesten Technologien sollen auf sehr einfachem Weg für Menschen benutzbar sein. Es ist wahrscheinlich eine weitere Säule, die das Profil der Marke Swatch vervollständigt: die Tatsache, dass wir leicht zu verstehen sind und uns unmittelbar in der Wahrnehmung unserer Kunden befinden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gut kombiniert

Kreativität und Innovationsgeist kenn-zeichnen den beruflichen Werdegang des gebürtigen Italieners Carlo Giordanetti. Mittlerweile lebt er in der Schweiz und ist als Creative Director von Swatch tätig. Auch dort sind aussergewöhnliche Ideen nichts Aussergewöhnliches. Zuletzt wurde mit der Swatch Bellamy ein Konzept umgesetzt, das die Innovationskompetenz von Swatch unter Beweis stellt. Diese Armbanduhr vereinfacht das bargeldlose Einkaufen. Sie ist mit einemChip der neusten Generation sowieeiner speziellen NFC-Antenne (NFC= Near Field Communication) ausgestattet. Zum Bezahlen wird einfach die Uhr an das Terminal gehalten und der Zahlungsbetrag vom Prepaid-Guthaben abgezogen. Mit Cornèrcard hat Swatch einen kompetenten Partner für die Umsetzung dieses innovativen Projekts gefunden. Seit diesem Sommer ist die Swatch Bellamy in der ganzen Schweiz für 105 CHF zu haben.

http://swatch.ch

© Swatch