Weiterlesen

Biodiversität – Ja zum Leben

Wir Menschen sind anpassungsfähig und selbständig, doch brauchen wir unsere Umwelt und die Lebewesen darin. Im verletzlich zarten Netz der Biodiversität sind wir miteinander verbunden. Wir sind abhängig, beeinflussen einander, atmen, trinken, essen, lachen, und inmitten dieser Vielfalt erblüht manch eine Liebe, die fürs Leben halten soll.

Climate Change

Unsere Hochzeitsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Sogar beim Joggen am Sonntag planen Michael und ich weiter. Schon lange im Voraus wollen Familienmitglieder wissen, was sie uns schenken können. Laufend haben wir Ideen ent- und verworfen: „Für die Wohnung haben wir alles. Die Wellness-Flitterwochen in den Bergen übernehmen unsere Eltern …“ Die Runde durch den Wald hat gut getan. Frisch geduscht setzen wir uns nach dem Training an den Computer und rufen die Hochzeitswebsite auf. Ich scrolle zur Wunschliste: „Vielleicht wünschen wir uns etwas, das uns nachhaltig mit den Gästen verbindet. Was hältst du von Bäumen?“ Michael schaut ungläubig auf meine kümmerlichen Balkonpflanzen.


Mission B

„Hey“, protestiere ich, „in den letzten 100 Jahren hat die Biodiversität weltweit stark abgenommen.“ Unsicher schweift Michis Blick zu meinem Schmetterlings-Tattoo am Handgelenk. „Du weisst, dass es nicht nur um Schmetterlinge geht, Schatz! Alle Tiere, Pflanzen, Pilze, Lebensräume, darin lebende Organismen und das Klima sind miteinander verwoben. Sie sind voneinander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig. Erhalten wir die Biodiversität, schützen wir das Ökosystem, auf das wir selbst angewiesen sind.“

„Babe, wir sind nicht für die ganze Welt verantwortlich …“ – „Das behaupte ich gar nicht“, protestiere ich und zeige Michi, wie ich unseren ökologischen Fussabdruck berechnet habe. Wir wohnen in einer Wohnung mit Ölheizung. Das können wir kurzfristig nicht ändern. Dafür brauchen wir unser Auto selten und sparen Strom. Wir essen nachhaltig und fliegen nur selten. Zufrieden nickt mein Bräutigam. „Aber wenn wir die Ölheizung nicht ändern können, könnten wir ja mit unserer Hochzeit einen Beitrag an die CO2-Kompensation leisten.“ – „Mit Bäumen?“, fragt Michael. „Ja, zum Beispiel mit Hochstammbäumen. Biodiversität ist wie ein Fieberthermometer der Natur, und in ,Mission B‘ schreiben sie, dass in der Schweiz jede Sekunde 0,7 Quadratmeter Grünfläche verschwinden.“ Dass wir dank unserer Wälder frische Luft atmen, dank unserer Bergwelt sauberes Wasser trinken und dank der Insekten knackige Äpfel essen, muss ich ihm nicht erklären.

Die Natur fiebert

Ich zeige Michael den Living Planet Report, den die Organisation World Wide Fund for Nature (WWF) zusammen mit der Zoological Society of London alle zwei Jahre publiziert. Die Populationen von Fischen, Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien sind in weniger als 50 Jahren (zwischen 1970 und 2014) durchschnittlich um 60 % zurückgegangen, steht da. Die Schweizer Biodiversität schneidet im internationalen Vergleich besonders schlecht ab. Mission B alarmiert, ein Drittel der heimischen Pflanzen-, Tier- und Pilz-Arten sei bedroht. Zu den Verlierern des letzten Jahres gehören Wildbienen. „Wegen der industriellen Landwirtschaft mit Pestiziden, Überdüngung sowie Monokulturen und der Zerstörung ihrer Nahrungsquellen und Nistplätze sind über die Hälfte der 600 Arten bedroht. Verschwinden die Wildbienen, verschwinden mit ihnen viele Pflanzenarten. Die Schäden für unsere Ökosysteme wären riesig.“

Dass die Artenvielfalt weltweit durch Übernutzung und Verkleinerung der Lebensräume, Abfall, Mobilität und die Klimaerwärmung bedroht ist, ist unbestritten. Wie sich nur ein halbes Grad Celsius mehr Erderwärmung auf die Vielfalt des Lebens auswirken kann, zeigt eine Grafik des WWF:

Infografik “Implications for biodiversity of global warming: 1.5°C” © WWF
Infografik “Implications for biodiversity of global warming: 1.5°C” © WWF

Gewinner der Klimaerwärmung

Die Klimaerwärmung schafft aber auch Gewinner. In der Schweiz breiten sich Insekten, Vogel- und Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum aus. So sieht man den südosteuropäischen Goldschakal zunehmend auch bei uns … Michi unterbricht meine Gedanken mit Schalk in den Augen: „Siehst du, dann kommen die Ferien zu uns und wir erleben das Mittelmeer zuhause.“ Noch bin ich nicht bereit, das Thema aufzugeben: „Ja, das stimmt. Nur, weisst du, wer auch zu den Gewinnern gehört? Der Borkenkäfer profitiert doppelt. In trockenen, warmen Jahren kann er sich super vermehren, und weil die Fichten unserer Wälder unter dem Klimawandel leiden, kann der Käfer zwischen Rinde und Holz Nester anlegen. In der Schweiz werden ganze Waldabschnitte abgeholzt, um diesem Baumschädling beizukommen.“


Biodiversität beginnt bei uns

„Ich sehe deinen Punkt. Sind Bäume da eine schlaue Idee?“, fragt Michael. Im „Übereinkommen über die Biologische Vielfalt“ bekennen sich Staaten der ganzen Welt dazu, „die biologische Vielfalt zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen“. Die Möglichkeit, etwas zu ändern, liegt aber bei jedem Einzelnen, finde ich: „Wir können sicher zur Biodiversität beitragen. Und ich gebe zu, dass wir auf unserem Balkon bisher kläglich versagt haben.“ Jetzt grinse ich. „Aber wir können uns für naturnahe Gemeindespielplätze einsetzen, Baumpatenschaften übernehmen, Umweltsünden vermeiden oder uns Organisationen anschliessen, welche die Umwelt schützen.“ Michi gibt mir einen Kuss: „Du bekommst deine Hochstammbäume. Damit wir dereinst unseren Kindern Wildbienen zeigen können.“

Sie wollen noch etwas mehr für die Umwelt tun? Mit einer WWF-Kredit- oder Prepaidkarte unterstützen Sie die Organisation direkt und bequem mit jeder Zahlung.