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Achtsames

Kleine Alltagswunder mit grossem Staun-Wert: hochsichere Bar, eruptive Hochzeitsorte und zum Sterben gutes Getreide.

Time Out

FRUST-AUSLÖSER

Die Serviette ist stilgerecht über das Kniegeworfen, das Silberbesteck liegt fest in denHänden und der Gaumen lechzt nach einem Festmahl – es kann losgehen. Denkste!Denn in Zeiten von Social Media müssenall die Köstlichkeiten erst einmal per Handykamera festgehalten werden. Das kann je nach Geschick des Fotografen Sekunden oder endlos lange Minuten dauern. Das Fotografieren am Tisch ist eine der unbeliebtesten Handysitten im Urlaub, wie das Onlineportal weg.de ermittelte. Weitere No-Gos: ewiges Blockieren der besten Perspektive auf eine Sehenswürdigkeit oderöffentliches Posen für das beste Selfie. Das Wegfallen der Roaminggebühren innerhalb der EU hat die Smartphonenutzung noch beliebter gemacht – und damit die Gefahr von «Frustauslösern» noch grösser.


BIENEN OHNE TICKET

Für Flugverspätungen gibt es oft triftige Gründe: das Wetter, die Technik oder verhaltensauffällige Passagiere. Die kuriosesten Flugausfälle oder -verspätungen hängen aber mit ungebetenen Gästen aus dem Tierreich zusammen. Mal tummelt sich eine Schlange an Bord, ein anderes Mal joggt ein Wildschwein über die Landebahn. Alles schon passiert. Eine der kuriosesten Turbulenzen, die sich jemals an Bord eines Fliegers ereigneten, wurde von zwei Bienenvölkern ausgelöst. Ein Passagier hatte sie auf einem Flug nach Moskau im Handgepäck an Bord geschmuggelt. Ein paar der Insekten entwichen, und unter den Insektenphobikern in der Kabine brach Tumult aus. Der Pilot brauchte nach dem Vorfall zur Beruhigung vermutlich eine heisse Milch mit Honig.


DAS HOTEL IST EINE BANK

Bei Geld ist gut wohnen, sagt der Volksmund. Vermutlich deshalb ging das Konzept des Londoner Grandhotels The Ned voll auf. Denn es liegt nicht nur mitten im Financial District, es befindet sich auch in der ehemaligen Zentrale der Midland Bank. Wo früher Büros waren, schlummern die Gäste in Himmelbetten. Wo einst in der Schalterhalle, getragen von 92 Säulen aus smaragdgrünem Edelstein aus Südafrika, Geldgeschäfte getätigt wurden, servieren Kellner Club-Sandwiches. 15 Restaurants und neun Bars zählt das Hotel, eine davon verbirgt sich hinter einer 20 Tonnen schweren und zwei Meter dicken Stahltür – in der Bar «The Vault» befand sich einst der Tresor. Vier Jahre dauerte der 250 Millionen Franken teure Umbau. Der Stil: neoklassizistisch und mit viel Art déco à la 20er- und 30er-Jahre. Das Konzept geht auf – wohl auch, weil Gäste finanziell nicht unbedingt top gebettet sein müssen, um im mondänen The Ned abzusteigen: Ab 185 Franken ist die Nacht in dem Luxushotel zu haben. Gut investiertes Wohn-Geld.


CEREALIEN-KILLERAPPEAL

Getreideprodukte machen fit. Zumindest bringen sie niemanden um. Auch das Cereal Killer Café in London führt nur Gutes im Schilde, nämlich ausschliesslich Cornflakes und Co. Neben den obligatorischen Cerealien mit Milch gibt es auch Kulinarisches, etwa Cornflakes-Eiscreme und sogar Cornflakes-Spirituosen. Bevor die Zwillingsbrüder Alan und Gary Keery ihr Café eröffneten, bereisten sie die Welt auf der Suche nach den besten Cerealien und lassen sich jetzt etwa aus Neuseeland oder Südafrika beliefern. Über eine Million Schüsseln mit Cerealien haben sie schon verkauft – mittlerweile auch in Dubai,Kuwait und Katar, wo Ableger des Cereal Killer eröffnet wurden, genau wie das Original in London kunterbunt dekoriert mit unzähligen Cornflakes-Schachteln.


FÜR JA-SAGER

Während einer Ehe möchte so manch eine(r) abtauchen. Andere tun es schon vorher: Unterwasserhochzeiten sind nicht nur etwas für passionierte Taucher. Sogenannte Weird Weddings, also ungewöhnliche Hochzeiten, liegen im Trend. Es muss nicht immer in Las Vegas, der Karibik oder beim Bungeesprung sein. Wer möchte nicht gern auf Pellworm sein Jawort geben? Per Krabbenkutter geht es auf die Nordseeinsel, die Trauung findet im Leuchtturm statt. Wer sich traut, kann auch am Rande des Vesuvs in den Hafen der Ehe einlaufen. Einige Partylocations unterhalb des legendären Vulkans sind auf derartige Festlichkeiten spezialisiert. Dort soll es seit Jahren wieder unter der Oberfläche brodeln. Hoffentlich kein schlechtes Omen.


© The Ned London